Juli 2 2013
Die Gothic Szene – Das dunkle Leben
Die Gothic Szene ist eine seit den frühen achtziger Jahren existierende Subkultur, die sich in Musik, Kleidungsgeschmack und Lebensphilosophie von den meisten anderen Jugendkulturen stark abhebt. Aufgrund der vorherrschenden Farbe ist die Kultur auch als schwarze Szene bekannt. Die Anhänger werden in Deutschland nicht selten als Grufties bezeichnet. Augenscheinlich beschäftigen Goths sich überwiegend mit schaurigen Themen wie Vergänglichkeit und Tod. Doch hinter diesen Gedanken stecken meist tiefer gehende Gedanken.
Auch wenn der Name Gothic sich an die mittelalterliche Gotik anzulehnen scheint, sind die Goths in ihrer Retrospektive eher der Romantik oder dem viktorianischen Zeitalter zugetan. Das Interesse am Mittelalter, das in einigen Nebenszenen hochgehalten wird, ist durch den romantischen Blick sehr verklärt und blendet die negativen Aspekte dieser Epoche gerne aus. Es ist ein Mittelalter, das aus Ritterromanen und ähnlichen Heldengeschichten überliefert wurde, welches zum Idealbild einer besseren Welt erkoren wurde. Mit diesen Romanen wurde auch das Interesse an fantastischen Figuren und Mythengestalten wie Kobolden, Drachen und Vampiren zu einem Teil der Szene. Der romantische Wahlspruch „carpe diem“ lässt die Goths der heutigen Zeit häufig über die Vergänglichkeit des Lebens nachdenken. Die regelmäßige Erinnerung an den Tod, die in Mode und Musikgeschmack allgegenwärtig ist, soll dabei helfen, den Wert des Lebens zu erkennen. Durch diese Beschäftigung mit dem Tod und den Mythen des Mittelalters verehren viele Anhänger der Gothic Szene auch alle übernatürlichen Kräfte und interessieren sich in unterschiedlicher Intensität für magische Rituale oder unbekannte Religionen.
Eines der wichtigsten Merkmale für jeden Anhänger der schwarzen Szene bleibt aber die Individualität. Im Gegensatz zu vielen anderen Subkulturen ist es bei Goths nicht üblich, einem Modetrend zu folgen oder die Inspiration für die eigene Kleidung ohne weitere Überlegungen von anderen Personen abzuschauen. Viele gelangen in die Szene, weil sie mit der Mainstream-Kultur nicht mehr zurechtkommen und sich über die Sinnlosigkeit des Daseins beklagen. Viele Goths sind sehr introvertiert und kümmern sich nur wenig darum, wie gut oder schlecht andere in der Szene sich an die Subkultur angepasst haben. Die Verbindungen, die die Anhänger der Szene zueinander haben, können sehr vielfältig sein. Einige erfreuen sich an der gleichen Art von Musik, andere fühlen sich einander zugehörig, weil sie einen ähnlichen Kleidungsstil pflegen, wiederum andere können nur wenig mit den äußeren Merkmalen der Szene anfangen, pflegen aber ähnliche Lebensphilosophien.
Da die Gothic Szene nicht von Moden geprägt ist, bleiben viele ihr bis ins hohe Alter anhängig. Noch immer sind einige der frühesten Szenemitglieder regelmäßig bei entsprechenden Treffen zu finden. Gleichzeitig interessieren sich immer wieder junge Menschen neu für die Szene. Viele von den Jugendlichen bleiben nur kurz dabei. Sie befinden sich in einer Phase der Selbstfindung. Die Gothic Szene liefert hier eine willkommene Möglichkeit, sich frei und individuell zu entwickeln, ohne von Moden oder gesellschaftlichen Vorschriften eingeengt zu werden. Nicht wenige finden über diese etwas ins Depressive reichende Subkultur einen Weg für sich, der zwar nicht in der schwarzen Szene ihr Ziel findet, doch von der von den Grufties geprägten Individualität deutlich geprägt wird. Andere können sich für die Kultur, welche den Tod gerne in den Mittelpunkt stellt, so begeistern, dass sie ihr gesamtes ästhetisches Verständnis daran ausrichten. Friedhöfe und religiöse Symbole, welche sich mit der Vergänglichkeit beschäftigen, werden gerne als Stilmittel sowohl bei der Kleidung als auch bei der Einrichtung der Wohnung als Vorbild genommen. Dabei muss das Leben eines solchen Grufties bei Weitem nicht düster sein. Die ständige Erinnerung an den Tod führt zu einem besonderen Humor, der den Wert des Lebens oft besser zu schätzen weiß, als manche andere Kultur.
Juli 3 2013
Ab in die Kiste
Man begegnet Ihnen nicht oft – den Goths. Unter den 80 Mio. Bundesbürgern gehen die geschätzten 60.000 Anhänger der Sub-Kultur fast unter. Doch hier beginnt bereits das Problem. Wie erkennt man einen Goth? Ein weitverbreiteter Irrtum, dass der Goth eine tiefschwarze Seele und eine ebensolche Kleidung besitzen muss. Nein, Goth zu sein ist mehr eine innere Geisteshaltung und ein bestimmtes Lebensgefühl, dass sich auch optisch nach außen hin präsentieren kann, aber nicht zwangsläufig muss. Doch für weit mehr Verwirrung als die Kleidung sorgt ein Gerücht, dass dem konservativen Bürger einen Schauer über den Rücken jagt. Stimmt es, dass die Goths in Särgen schlafen?
Todessehnsucht oder morbide Begeisterung?
Zunächst stellt sich die Frage, woher die Faszination für den Tod im Allgemeinen und den Sarg im Besonderen überhaupt kommt. Die Frage ist nicht neu, denn woher wir kommen und wohin wir eines Tages gehen müssen, beschäftigt nicht nur die Goths. Nur verdrängt die breite Masse gern den Gedanken ans Ableben und hofft insgeheim, dass Gevatter Tod erst einmal an der Tür des Nachbarn anklopft. Für den Goth hingegen sind Tod und die finisteren Seiten des Lebens normaler Bestandteil des Alltags. Was nicht bedeutet, dass er eine Todessehnsucht hegt. Ein Goth neigt im Allgemeinen zur Melancholie und ist ein leicht in sich gekehrter Mensch. Die Gothic-Kultur ging ja einst aus der Musikszene hervor und auch die Gothic-Novel trug ihren Teil dazu bei. Es ist demnach kein Wunder, dass sich in der Gothic-Szene viele talentierte Künstler tummeln. Jemand, der sich in Internet-Foren auf die dunkle Welt einlässt, erkennt schnell, dass es mitunter um die gleichen Themen geht, denen sich auch andere Foren widmen. Auch eine Gothic-Anhängerin ist vom Single-Leben nicht begeistert und wünscht sich den passenden Partner. Doch es dürfte klar sein, dass ein Ballermann-Partyhengst schlecht zur melancholischen Fledermaus passt. Auf eine andere im Forum gestellte Frage, ob sich ein Goth vorstellen könnte, im Sarg zu schlafen, reagierten dann die meisten mit Ablehnung. Schlafen im Sarg – demnach nur ein Mythos?
Die dunkle Welt und ihre Schatten
Wie in jeder Sub-Kultur gibt es auch bei den Goths Anhänger, die ihren Fetisch gerne extrem ausleben möchten. Dass es kein reiner Mythos ist und Menschen es vorziehen, im Sarg zu nächtigen, zeigt sich schon an der Tatsache, dass Schlafsarghersteller ihre Dienste anbieten. Und dabei handelt es sich nicht um lieblos zusammengezimmerte Holzkisten. Da wird das schwarz lackierte Vollholz gegen Aufpreis mit Swarovski-Kristallen verziert und das Innenleben mit bequemen Innenpolstern und Satin ausgestattet. Auch der verbreiterte Schlafsarg wird mit 88 cm für die Partnerin zu schmal sein, aber der Single-Goth kann hier angenehm nächtigen. Die Nachfrage regelt das Angebot. Würde es mehr Schlafsarg-Goths geben, könnte ein regelrechter Sargmarkt entstehen. Eine leicht morbide, aber durchaus amüsante Vorstellung. Der Slogan an der Eingangspforte des Schlafsargverkäufers könnte lauten: „Kaufen Sie bei uns, denn wie man sich bettet so siecht man!“ Ein Goth, der nicht gleich viel Geld ausgeben, sondern die Sache erst einmal ausprobieren will, sollte nach Berlin reisen. Dort gibt es ein Hotel, dass jedes Zimmer nach einem speziellen Motto gestaltet hat. Ein „Sargzimmer“ ist ebenfalls im Angebot. Der Reiz einer „Sargnacht“ liegt indessen nicht in der Todessehnsucht, sondern am Nervenkitzel. Wer kennt ihn nicht, den Gruselfilm, der sich im Kopf abspielt – lebendig begraben! Wenn sich der Deckel schließt, kann sich der Goth seinen Klaustrophobie-Damönen stellen. Zarte Gemüter sollten dieses Experiment jedoch unterlassen, denn der große Bruder der Klaustrophobie heißt – Wahnsinn.
By STREGATO • Allgemein, Gothic • Tags: Gothic, Gothic Friedhof, Gothic Kultur, Gothic Online, Gothic Szene Info, Gothic Was ist das, Gothics, Gothics und Särge, Gothik, Gothik Szene, Grufti, Grufti Szene, Gruftis, Gruftis und Särge, im Sarg schlafen, in Särgen schlafen, Schlafsarg, Schlafsärge, Schlafsarghersteller, Schwarze Szene, Stimmt es dass die Goths in Särgen schlafen, Warum Gothics in Särgen schlafen, Wie erkennt man einen Goth